| Anti-Graffiti-Strategie Das Schreiben einer jungen Amerikanerin an US-Präsident Bill Clinton im März 1997 über antisemitische Sprayereien in der Zürcher Altstadt war der Auslöser. Der Schaffung einer Fachstelle für Anti-Graffiti-Beratung in der Stadt Zürich stand nichts mehr im Wege. Der Brief gelangte über die US Botschaft in Bern an den Stadtpräsidenten von Zürich und löste dort die inzwischen bekannten Massnahmen aus. Graffiti sind ein Problem aller grösseren Städte. Graffiti lassen sich nicht verhindern, aber in ihrer Zahl reduzieren. Ziele und Ausdruckformen sind verschiedene. Sexistische und rassistische Schmierereien verletzten das Gemeinschaftsgefühl und richten sich gegen die Menschenwürde. Andere Graffiti werden wie Unterschriften überall hingesetzt: auf Kandelaber, Hausfassaden, in Unterführungen, auch in empfindlichen Teile einer Altstadt und an denkmalgeschützte Mauern. Graffiti stören Passanten, denen bewusst wird, wie viele Fassaden der Stadt bereits verschmiert sind, ärgern sich oft über die Schmierereien. Auch fühlen sich Menschen häufig verunsichert, wenn sie unwirtlich versprayte Randgebiete durchqueren müssen. Touristinnen und Touristen sind über die verwirrenden und das Stadtbild beeinträchtigenden Zeichen irritiert. Liegenschaftsbesitzer wollen ihre Hausfassaden schön, und nicht verschmiert haben. Auch die Stadt Zürich gehört zu den Grundeigentümer, für die Graffiti ein Ärgernis darstellen. Mit Sorgfalt und fachtechnischem Aufwand wird die Fassade eines denkmalgeschützten Hauses saniert. Schon wenige Tage später ist das schöne Fassadenbild versprayt. Ein ärgerliches Beispiel unter vielen. Voraussetzungen Die Stadt Zürich hat verschiedene Vorgehensmöglichkeiten entwickelt. Sie packte die Sache gemeinsam mit einem Farblieferanten an, mit vier Firmen aus dem Malergewerbe sowie zwei Firmen, die Schutzsysteme und Reinigungen anbieten. Bei den erarbeiteten Vorgehensmöglichkeiten handelt es sich um eine einfache und kostengünstige Variante für alle Liegenschaftsverwaltungen. Mit der Graffiti-Schutzfarbe, zum Beispiel, können Mieterinnen und Mieter, Hauswarte sowie bereits angestelltes Reinigungspersonal Sprayereien mit minimalem Zeitaufwand überstreichen. Dadurch entsteht den Hauseigentümern und Liegenschaftsbesitzern nur minimale Kosten. Die Zürcher Anti-Graffiti-Strategie Die Stadt Zürich will Sprayereien nicht länger dulden. Sie will zu Ihrem schönen Stadtbild wie auch zu den Fassaden irrere Liegenschaften Sorge tragen. Sie will die Kosten für das Entfernen der Graffiti senken und den Aufwand minimieren. Die bisherige Erfahrung, auch beispielweise in der New Yorker Untergrundbahn, zeigt: Gelegentliches Entfernen von Graffiti bringt keine anhaltende Wirkung. Graffiti müssen sofort, wirkungsvoll und konsequent entfernt werden. Deshalb lautet die neue Strategie der Stadt Zürich: Keine Schmierereien mehr an städtischen Liegenschaften, mögliche Schutzbehandlungen präventiv aufbringen und neue Sprayereien rasch entfernen. Der Entscheid Gelegentliches Entfernen von Graffiti verursacht Kosten und zeigt keine anhaltende Wirkung. Haus- oder Werkeigentümer müssen sich entscheiden, ob sie Schmierereien am Eigentum wollen oder nicht. Wenn man keine Graffiti will, hilft nur noch eine konsequent angewendete Strategie. Die Prävention In der Praxis haben sich so genannte "Opferschichtsysteme" bewährt. Dabei werden Sprayschutzschichten und Sprayereien zusammen mit Heisswasser abgelöst. Die Schutzschicht ist anschliessend zu erneuern. Die Systeme sind preisgünstig. Vorteil dabei ist, dass die Farbschicht nicht mit umweltschädigenden und teuren Lösungsmitteln aufgelöst werden muss. Naturstein, Beton und Kunststein: Bewährt haben sich Produkte auf der Basis von Wachs-Paraffin, Acrylate und Polysaccaride als transparente Beschichtungen. Gestrichene Verputze: Hier ist zur Zeit nur ein erfolgreiches Produkt verfügbar: die Sprayschutzfarbe "Keim-Flagranti". Damit können auch raue Flächen geschützt werden. Die gefährdeten Fassadenpartien werden im Fassadenfarbton mit Keim Flagranti überstrichen. Mit Wasserniederdruck lassen sich Sprayereien zusammen mit der Farbschicht entfernen. Die Farbe ist wasserlöslich, wird aber vom Regen nicht abgewaschen. Anschliessend ist der Schutzanstrich zu erneuern. Transparente Beschichtungen auf gestrichene Verputze sind nicht zu empfehlen. Sie sind meist teurer als ein Neuanstrich. Lackierte und Einbrennlackierte Holz- und Metallflächen: Möglich ist die Anwendung von Produkten auf Wachs-Paraffinbasis, Acrylanten und Polysaccariden in einer Art transparenter Beschichtungen. Konsequent handeln Die konsequente und sofortige Beseitigung von Schmierereien durch eine Fachfirma wird im Falle notwendiger Wiederholungen schneller teuer. Leider ist der Aufwand für die An- und Rückfahrt sowie den An- und Abtransport der Geräte und Maschinen oft grösser als diejenige für das Entfernen einer kleinen Schmiererei. Eine Vorgehensweise ist also gefragt, die es jeder Frau oder jedem Mann erlaubt, Graffiti sofort zum Verschwinden zu bringen. Grössere Schmierereien sollten von Fachleuten kostengünstig überstrichen werden können. Zusammen mit der Firma Keim Farben AG wurde eine Farbe entwickelt, die das Überstreichen von Schmierereien auf allen Untergründen gestattet und die problemlos mit Wasser und Bürste oder mit Wasserniederdruck entfernt werden kann. Die Farbe wird von einem Maler auf die Fassade eingetönt und in einem Kessel mit Bürste und Abstreifgitter geliefert. Zur Tilgung eines Graffiti öffnet man den Deckel des Kübels, entnimmt die Bürste, überstreicht den Schaden, steckt den Pinsel wieder hinein und schliesst den Deckel. Mehrfaches Überstreichen an der gleichen Stelle ist problemlos. Nach einer gewissen Zeit lässt man durch eine Fachfirma alle aufgetragenen Schichten entfernen und die Einsatz von Beschäftigten des Ergänzenden Arbeitsmarktes (EAM) Im Rahmen der Anti-Graffiti-Strategie werden für städtische Liegenschaften und Werke des Ergänzenden Arbeitermarktes eingesetzt. Sprayereien kann auch jedermann, dem vertiefte Fachkenntnisse in diesem Bereich fehlen. Ein solcher Einsatz ist für die Betroffenen sinnvoll und verschönert das Stadtbild. Das städtische Gewerbe wird dabei nicht konkurriert. Der Ergänzende Arbeitsmarkt kann mit diesem Einsatz eine Nischenfunktion übernehmen, die anderweitig nicht wahrgenommen würde. Wie bis anhin übt das Gewerbe die aufwendigeren Verfahren in eigener Regie aus. Erfahrung aus der Praxis Seit dem Start der Anti-Graffiti-Strategie im Sommer 1998 sind im Kreis 4, an der Winterthurerstrasse, an der Seestrasse, in der Altstadt und im Rahmen der Aktionen "Willkommen am See" sowie "Langstrasse +" Massnahmen durchgeführt worden. Auf Grund einer Schadenaufnahme durch den EAM oder des Gewerbe wurden allen Hauseigentümern angeboten, ihre verschmierten Liegenschaften zu überstreichen und beim jeweiligen Objekt Farben zum Überstreichen neuer Schmierereien zu deponieren. Die Kosten für das saubere Abtönen der Farbe und die Malerarbeiten wurden jeweils von der Stadt, die Kosten für Farbe, Bürste, Abstreifgitter und Gebinde vom Hauseigentümer übernommen. An den einzelnen Aktionen beteiligten sich zwischen 60 und 90 % der Liegenschaftsbesitzer. Die Arbeiten wurden vom Gewerbe und teilweise in Zusammenarbeit mit dem EAM ausgeführt. Zur Umsetzung der Anti-Graffiti-Strategie mit Schwergewicht an Städtischen Bauten hat der EAM die Gruppe "Schöns Züri" gebildet. Positiv hat sich auch die Aktion des Hauseigentümerverbandes Zürich ausgewirkt. Jedem Mitglied wurden 300 Franken an die Kosten einer Graffiti-Entfernung bezahlt. Nach vier Jahren kann festgestellt werden, dass die konsequente Anwendung der Anti-Graffiti-Strategie zu Erfolg führt. Allerdings ist eine periodische Kontrolle und das sofortige Überstreichen neuer Schmierereien unabdingbar. Der Malermeister kann mit einem sauber auf den Untergrund abgetönten Anti-Graffitiset eine Willkommene Dienstleistung anbieten, die sich durchaus als Türöffner für weitere Aufträge erweisen kann. Anti-Graffiti-Systeme
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