Algen zum Ersten
Algen und Pilze
keiner will sie!
Algen und Pilze sind zähe Organismen, die seit Jahrmillionen die Evolutionsgeschichte begleitet haben und auch weiter begleiten werden. Sie können in der Natur überall vorkommen. Sie leben hauptsächlich an der Schattenseite von Felsen, an feuchten Steinen, an der Wetterseite von Bäumen und auf feuchter Erde.
Einige Begriffe
Bakterien: einzellige Organismen, die keinen Zellkern aufweisen.
Algen: einzellige Organismen mit einem Zellkern
Sporen: ungeschlechtliche Zellen, die zum Zweck der Fortpflanzung gebildet werden
Pilze: niedrige Pflanzenart, die im Gegensatz zu Algen ohne Licht wachsen kann.
Neuste Untersuchungen haben bestätigt, dass das Auftreten von Algen und Pilzen an Bauwerken nicht ausschliesslich in den heute verwendeten modernen Baueisen und Baustoffen zu suchen ist.
Als Reaktion auf, vermehrt von Bauherren gegenüber den Unternehmern geäusserten Unmut über Algen und Pilze auf Fassaden, wurden intensive Forschungsarbeiten und aktive Diskussionen mit Spezialisten auf diesem Gebiet Systeme entwickelt, die in der Lage sind, den Befall von Algen und Pilzen an Fassadenflächen im Bereich Neubeschichtung erheblich zu verzögern und Flächen im Bestand zu sanieren.
Algen und Pilze hängen sehr stark von den Umgebungsbedingungen ab, sie sind in der Atmosphäre vorhanden und daher ist mit ihnen überall zu rechnen.
Für den Bewuchs sind Feuchtigkeit und/oder Licht Voraussetzung. Als Nahrung benötigen Algen im wesentlichen Kohlenstoff und Stickstoff, welche sie aus dem Kohlendioxyd (Photosynthese) und Stickstoffverbindung der Luft beziehen.
Pilze benötigen Feuchtigkeit und Kohlenstoff aus organischen Stoffen, wie Zucker oder Stärke.
Grundsätzlich können alle aussenseitigen Flächen ideale Landeplätze für diese Organismen sein. Besonders gefährdete Bereiche sind Nord- und Wetterseiten sowie Sockelbereiche und Schattenlagen in ländlichen Regionen. Baumbestand, Wald- und Feldnähe, anliegende Wasserläufe sowie Beschattungen von Fassadenteilen unterstützen die Biotopbildung an Fassaden.
Ein weiterer begünstigender Auslöser sind feuchte Gegende mit hohem Niederschlag.
Fazit:
Algen und Pilze können nicht verhindert, sondern nur verzögert werden.
Diese Erscheinung ist die direkte Folge individueller, regional schwankender Umwelteinflüsse, die weder in der handwerklichen Leistung des Unternehmers noch in der Qualität und Verantwortung des Materialherstellers zu suchen ist.
Handwerker und Materialhersteller können zwar die objektspezifischen Umgebungsbedingungen nicht beeinflussen oder kontrollieren, jedoch können beide gemeinsam mit dem Planer im Vorfeld der Baumassnahmen durch die Auswahl des richtigen Systems auf die objektspezifische Situation gezielt eingehen.
Im Bereich konsequenter und technisch einwandfreier Detaillösungen sollten sich sowohl Planer wie auch Unternehmer ihrer Verantwortung bewusst sein.
Aufgrund von unsauberen Detaillösungen, Überständen, falsch ausgebildeten Tropfkanten etc. und daraus zwangsläufig konstruktiv bedingtem, erhöhtem Feuchteanfall kann es zu Algen und Pilzen kommen.
Während der Nutzungsphase des Objektes soll der Eigentümer Folgendes beachten.
Oberflächenwasser weg vom Gebäude, Dachrinnen regelmässig reinigen, Schäden an Wasserleitungen rasch beheben, Abdichtungen und Dehnfugen prüfen und allenfalls erneuern, anstehende Feuchtigkeit vermeiden, Drainage prüfen, Schneeräumung vom Gebäude weg, kein Pflanzenbewuchs direkt am Gebäude.
Grundsätzlich gilt, dass der Planer gemeinsam mit dem Unternehmer bereits im Vorfeld der Baumassnahme auf etwaige, kritisch bewertende Bedingungen am Objekt ausreichend eingeht und mit geeigneten Massnahmen einen möglichst langfristigen Fassadenaufbau anstrebt.
Algen zum Zweiten
Keine Fassade ist vor Algen und Pilzen sicher
Aufgrund baulicher und gesetzlicher Bestimmungen wurden die Anforderungen an den Wärmeschutz immer höher. Hinzu kommen das steigende Umweltbewusstsein und die Verteuerung unserer natürlichen Ressourcen. War früher ein k-Wert (U-Wert) von 0.7 W/m_K genügend, so ist heute bei Neubauten vielerorts ein k-Wert von mindestens 0.3 W/m_K für die verputzte Aussenwärmedämmung vorgeschrieben.
Dieser Wert wird nur mit sehr gut gedämmten Fassaden erreicht. Wo früher eine Dämmstärke von 4 Zentimeter ausreichend war, liegt die Dämmstärke heute bereits zwischen 16 bis 20 Zentimeter.
Auf jeder Fassadenfläche bildet sich bei entsprechenden Bedingungen in der Nacht Kondensat. Diese Kondensatbildung kennen wir alle, beispielsweise beim Auto, wenn es im Freien parkiert war. Am Morgen ist das Auto nass und in den Wintermonaten darf sogar gekratzt werden.
Gut isolierte Fassaden lassen weniger Wärme aus dem Hausinnern entweichen, das ist ja auch die Hauptaufgabe jeder Fassadenisolation. Fassadenoberflächen, die durch Regen- und Kondenswasser belastet sind, können nicht mehr abtrocknen. Die Oberflächen stehen länger nass da, besonders in den Monaten September bis April.
Vor allem an exponierten Stellen, an ungeschützten Fassaden, Betonwänden, Dächern und feuchten Partien über dem Erdboden, treten partiell störende, meist grünliche oder schwärzliche Verfärbungen auf. Algen oder Pilze haben sich angesiedelt. Heute sind viele Fassadenflächen vollflächig befallen, was auf eine sehr gute gedämmte Wandkonstruktion zurückzuführen ist. Vermehrtes Algen- und Pilzwachstum ist offenbar eine Erscheinung unserer Zeit.
Konstruktive Massnahmen gegen Mikroorganismenbefall
Die wichtigste Lebensgrundlage, die Algen und Pilze gemeinsam haben, ist das Wasser. Beide benötigen Feuchtigkeit um existieren zu können.
Algen- und Pilzbefall im Fassadenbereich tritt typischerweise an Nord- und Westseiten auf. Dort mangelt es in erster Linie an Sonneneinstrahlung, respektive dort fällt vermehrt Regenwasser an. Pilze überstehen im Gegensatz zu Algen längere Trockenperioden. Deshalb sind Pilze auch an Ost- und Südfassaden anzutreffen.
Es ist wichtig, dass beim Neubau oder bei der Sanierung von Gebäuden konstruktive Massnahmen getroffen werden, um einen Mikroorganismenbefall zu verhindern oder wenigstens zu erschweren. Vordächer und Tropfkanten, die eine saubere Wasserführung an der Fassade gewährleisten und sie vor zu viel Nässe schützen, haben sich als wirksam erwiesen. Das herausragende Dach, das zur Architektur unserer Vorfahren gehörte, hatte eine wichtige Schutzfunktion. Die Architektur der Gegenwart hat auf Vordächer verzichtet. Die Folgen haben nicht lange auf sich warten lassen.
Anhaltender Nebel, Wald- und Gewässernähe, Schatten von Bäumen, oder Pflanzenwuchs in Gebäudenähe wie auch noch weitere Faktoren begünstigen den Algenbefall. Es gibt jedoch auch zahlreiche Beispiele, wo von mehreren Fassaden in gleicher Ausführung und gleicher Lage nur eine einzige von Algen und Pilzen befallen ist. Da an jeder Fassadenoberfläche ein eigenes Mikroklima herrscht, ist es auch Fachleuten nicht möglich, eine sichere Risiko-Prognose zu stellen. Es ist deshalb sinnvoll, im Zweifelsfall die nötigen Vorkehrungen zu treffen.
Vorbeugen
Nicht immer kann der Befall von Mikroorganismen mit baulichen Massnahmen verhindert werden. Gerade bei Renovationen sind bauliche Veränderungen oft gar nicht möglich. Auch sind in vielen Fällen konstruktive Massnahmen alleine nicht ausreichend.
Um Mikroorganismenbefall vorzubeugen, sollte der Verputz generell zweimal gestrichen werden. Durch den Anstrich werden Mikroporen des Verputzes gefüllt, die Oberfläche wird dadurch glatter und kann weniger Wasser aufnehmen. Infolgedessen kann die Oberfläche weniger stark verschmutzen, weshalb die Gebäude länger schön aussehen. Auf solche Untergründe können Algen oder Pilze kaum existieren. Eine absolute Sicherheit gegen Mikroorganismenbefall kann allerdings nie erreicht werden.
Algen zum dritten
Algen- und Pilzproblematik Sanierung von WDVS - Fassaden
Seit über 40 Jahren werden in der Schweiz Wärmedämmverbundsysteme (WDVS) an Fassaden angebracht. Man spricht in diesem Zusammenhang auch von Aussenisolationen. Mit diesen Systemen werden wirkungsvoll Ressourcen eingespart und Kohlendioxidemissionen reduziert. Langjährige Erfahrungen zeigen, dass die Systeme den natürlichen thermischen und hygienischen Belastungen relativ gut standhalten. Regelmässige Kontrollen und Wartung der Fassaden sind aber unerlässlich.
Die in den kantonalen Energiegesetzen verankerten Vorschriften für Aussenwandkonstruktionen schreiben einen U-Wert von 0.3 W/m_K bei Neubauten und 0.5 W/m_K bei Umbauten vor. Diese Vorschriften sind durchaus sinnvoll, führt doch deren Umsetzung zu einem erwünschten Beitrag an den Umweltschutz.
Bei den Neubauten werden die Wärmedämmverbundsysteme in der Regel auf ein tragendes Mauerwerk aufgebracht, das gerade den statischen Erfordernissen entspricht, bei einem Altbau auf den vielleicht überstrichenen Aussenputz. Die Dämmplatten sind meistens aus Polystyrol oder Mineralwolle hergestellt. Sie werden auf den Untergrund aufgeklebt und bei kritischen Untergründen zusätzlich mechanisch mit Dübeln befestigt. Nach der Erhärtung des Klebers werden die Platten plangeschliffen und mit einem nur wenige Millimeter dicken Dünnschichtsystem versehen. Ein solches Dünnschichtsystem besteht aus einem armierten Grundputz, gegebenenfalls mit einer Grundierung und einem Deckputz.
Diese dünnen Putzsysteme sind über Jahre hinweg Tag für Tag beachtlichen thermischen Belastungen ausgesetzt, da die aufgenommene Sonnenwärme wegen der Dämmschicht nicht ans Mauerwerk abgegeben werden kann. Deshalb sind die Oberflächentemperaturschwankungen bei Deckputzen von WDVS extremer als bei konventionellen Wandkonstruktionen. An WDVS verläuft auch der Abkühlungsprozess schneller, da in der dünnen Putzschicht nur eine relativ geringe Wärmemenge gespeichert ist. Ferner bewirkt die Wärmeabstrahlung, dass die Oberflächentemperatur des Deckputzes unter die Aussentemperatur sinken kann. Physikalischen Naturgesetzten entsprechend, bildet sich ab einer bestimmten Luftfeuchtigkeit an der kühlen Fassadenoberfläche Kondenswasser.
Fassadenpflege unerlässlich
Langjährige Erfahrungen zeigen, dass die Systeme den natürlichen thermischen und hygienischen Belastungen relativ gut standhalten. Eine Fassade sollte aber regelmässig kontrolliert, gepflegt und gewartet werden, damit die Gebrauchsdauer verlängert werden kann. Plattenabzeichnungen, Risse und Putzabplatzungen sind erste Hinweise darauf, dass die Fassade überprüft, die Ursache abgeklärt und Massnahmen ergriffen werden sollten. Auftretenden Problemen bzw. Reklamationen liegt meistens eine nicht systemkonforme Verarbeitung zugrunde. Hohe Restbaufeuchtigkeit beim Anbringen der Dämmplatten, undichte Anschlüsse an Fremdbauteile infolge fehlender Dichtungsbänder, zu geringer Grundputzschichtstärke führen zu Problemen. Je nach Fall ist eine zusätzliche Armierungs- und Deckputzschicht, eine Entfernung der bestehenden Putzbeschichtung und im schlimmsten Fall die Entfernung des Gesamtsystems und ein totaler Neuaufbau erforderlich.
Solche Sanierungsmassnahmen stellen jedoch Ausnahmen dar. Bei intakten Fassaden genügen nach der erforderlichen Fassadenreinigung zwei Anstriche mit einer Fassadenfarbe.
Algen- und Pilzproblematik
Es ist bekannt, dass auf fast allen Untergründen Algen- und Pilzbildungen auftreten könnrn, sofern an der Substratoberfläche ein gewisses Feuchtigkeitsniveau vorliegt. Auch WDVS sind davon nicht verschont. Stark beregnete Flächen in Verbindung mit der erwähnten Kondensatwasserbildung und mit ungenügenden bzw. zu langen Austrocknungsphasen sind zuerst betroffen.
Nach jahrelangen Beobachtungen ist dieses Problem vor allem an Flachdachwohnblöcken mit geringem Dachvorsprung offensichtlich. Dass Hauseigentümer und Bewohner über die ästhetischen Beeinträchtigungen der Fassade nicht gerade erfreut sind, ist verständlich. Aus Kostengründen wurde oft auf eine Filmkonservierung, die zum Teil separat bestellt werden muss und verrechnet wird, verzichtet.
Generell ausschliessen kann man Algen- bzw. Pilzbildung nicht. Sie kann auch auftreten, wo kein Fluss, keine Bäume und keine Sträucher in unmittelbarer Nähe zum Objekt liegen, oder ein Vordach am Objekt vorhanden ist. Die Besonnungs- bzw. Beschattungszeiten und die Windverhältnisse in Verbindung mit dem reduzierten Wärmestrom von innen nach aussen bewirken, dass das Mikroklima an jedem Quadratmeter Fassadenfläche unterschiedlich ist. Jeder Quadratmeter einer Fassade ist so gesehen einmalig. Nach einer EMPA Veröffentlichung _ entscheiden wenige Zehntelgrad Celsius Temperaturunterschied an der Fassadenoberfläche darüber, welches Feuchtigkeitsniveau vorliegt, und somit, ob ein Befall auftritt oder nicht.
Lösung des Problems
Vor allem Gipserbetriebe haben sich das Know-how der Applikation von WDVS angeeignet. Die Sanierung von verschmutzten bzw. veralgten, aber noch intakten Fassaden erfolgt in der Regel nach Ablauf der Systemgarantie und obliegt schliesslich den Malerbetrieben. Nach Reinigung und Abtötung der Algen und Pilze mit einem geeigneten Biozid sind in der Regel zwei Anstriche mit Algisan von Schekolin erforderlich. Durch die beiden Anstriche werden eventuell vorhandene Haarrisse an der Putzoberfläche aufgefüllt und die rauen Putzoberflächen etwas egalisiert. Somit wird einerseits verhindert, dass Wasser über Risse in den Putz eindringt, anderseits wird erreicht, dass die Fassadenoberfläche schneller trocknet. Algisan nimmt Wasser nur in geringen Mengen auf. Ausserdem zeichnet sich Algisan durch eine biozides Wirkungsspektrum aus. Algenbildung und Pilzbefall werden damit zwar nicht für immer, aber doch auf bestmögliche Art nach dem Stand der heutigen Technik verhindert
_ EMPA Dübendorf Bauschäden, Algen auf Fassaden
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